Nicht jederzeit Mütter* in Leipzig

Die Ausstellung „Mütter* Eine Suche nach feministischen Perspektiven“ zeigt die Vielfalt des Mutterseins und fragt nach den Möglichkeiten sozialer Elternschaft.
Bis zum 13. Januar ist sie als Teil der Gruppenausstellung „Von Ihnen. Von Uns. Von Wem.“ im Pöge-Haus zu sehen.

Mi. 9.1. – Fr. 11.1.  16 Uhr – 20 Uhr
Sa./So. 12./13.1.     12 Uhr – 20 Uhr

Künstler*innenRundgang: So. 13.1. 16 Uhr
Finissage mit Kaffee und Kuchen: So. 13.1. 15 Uhr

Mütter* sind Menschen. In der gesellschaftlichen Zuschreibung sind es Frauen*, die Kinder haben, sie betreuen, versorgen und mit ihnen leben. Das ist wichtig fürs Mutter sein. Väter* sind Menschen, die Kinder gezeugt haben. Für alles weitere verdienen sie sogar den Namen Familienvater. Bei Müttern* lohnt sich der Zusatz nicht. Mütter* getrennt von ihren Familien machen in unseren Köpfen keinen Sinn.
Mütter* sind aber mehr als die Summe ihrer Kinder. Sie brauchen für ihr Sein mehr als Liebe und Kinderlachen. Und vor allem brauchen sie andere Themen, Ideen und Möglichkeiten. Sie wollen lachen, gärtnern, reisen, spazieren, ausruhen, tanzen, diskutieren, Späße machen und arbeiten ohne ihre Kinder. Und vor allem können und wollen sie auch ohne ihre Kinder glücklich sein.
Mutter sein daran zu koppeln, dass sich eine Frau* um ihre leiblichen oder adoptierten Kinder kümmert und mit ihnen lebt, ist viel zu kurz gegriffen. Auch haben viele von uns ambivalente Beziehungen zu ihren eigenen Müttern. Mütter tun ihren Kindern nicht nur gut.
Aber was macht Mutter sein dann aus?

Erich Fromm charakterisiert mütterliche Liebe als „ihrem Wesen nach an keine Bedingungen geknüpft“. Eine Mutter liebe ihr Kind, allein weil es ihr Kind sei und nicht weil es bestimmten Voraussetzungen entspräche oder bestimmte Erwartungen erfülle. Diese Liebe für ein Kind, einfach weil es (da) ist, entspricht, so Fromm einer „tiefen Sehnsucht nicht nur des Kindes, sondern eines jeden menschlichen Wesens“. Fromms Idee der mütterlichen Liebe als bedingungslose Liebe weiterdenkend, verstehe ich Mutterliebe als eine nicht an biologische Gegebenheiten gebundene, bestimmte wohlwollende, die eigenen Bedürfnisse u.U. abwägende Art einen Menschen zu lieben, einfach weil er*sie existiert.
Dabei wird sofort klar, dass nicht nur biologische Mütter* so lieben, und wiederum niemand allzeit so lieben kann.

Mutterliebe ist ein Geschenk, welches Menschen geschlechtsunabhängig verschenken, manchmal für einen Nachmittag und manchmal für viele Jahre, aber immer mit Pausen zum Luftholen. Jede Mutter*, jeder Mensch der Kinder mütterlich liebt, kann dies nur mit Pausen, wenn er*sie nicht daran zerbrechen will.

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* der Stern ist mir ein wichtiges Ausdrucksmittel um in Texten darauf zu verweisen, dass ein Begriff (z.B. Mutter* oder Frau*) in seiner Bedeutung schwer beladen ist. Der Stern steht für die Fülle an möglichen Menschen die gemeint sind, von denen zudem viele mit dem Begriff und seinem inhaltlichem Ballast Schwierigkeiten haben.

Autor*in/ Künstler*in:
Ana

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